Lesen als Prozess: Empirische Befunde und didaktisches Potenzial

Autor/innen

  • Marion Krause
  • Nelli Ritter

DOI:

https://doi.org/10.48789/2023.2.1

Schlagwörter:

Leseprozess, Bilinguale, leises – lautes Lesen, Diagnostik

Abstract

Vor dem Hintergrund sich verändernder Lesepraktiken im digitalen Zeitalter und deren Auswirkungen auf Kognition, Emotion und Sprachkompetenz werden in dem Beitrag Ergebnisse der psycholinguistischen Leseforschung diskutiert. Die Autorinnen stellen Ergebnisse einer Eye-Tracking-Studie vor, die signifikante Unterschiede in den Leseprozessen einsprachiger und russisch-deutsch zweisprachiger Leser*innen aufzeigt und die höheren kognitiven Anstrengungen mehrsprachiger Schüler*innen bei der Verarbeitung beleuchtet. Um Mehrsprachige nicht zu benachteiligen, wird empfohlen, ihnen mehr Zeit zum Lesen zu geben. Darüber hinaus wird die Bedeutung des lauten Lesens als Diagnoseinstrument hervorgehoben. Lautes Lesen kann mit Hilfe der Parameter Lesegenauigkeit, Lesegeschwindigkeit und Leseflüssigkeit untersucht werden. Sie geben Aufschluss über den erreichten Automatisierungsgrad und lassen Rückschlüsse auf die allgemeine Lesefertigkeit sowie auf die sprachliche Kompetenz im Allgemeinen und in bestimmten sprachlichen Bereichen zu. Die Autorinnen plädieren daher dafür, das diagnostische Potenzial des Vorlesens stärker zu nutzen. Sie befürworten für den Einsatz digitaler Medien zur Aufzeichnung des Vorlesens, um die aktive Auseinandersetzung mit dem Lesen zu fördern, Selbstreflexion und kontinuierliche Verbesserung zu ermöglichen und letztlich die Lesekompetenz als wichtige kulturelle Ressource in allen zur Verfügung stehenden Sprachen zu fördern.

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Veröffentlicht

2024-02-02